Hochbegabte Kinder mit einer Dyskalkulie oder Rechenschwäche

Hochbegabung, Dyskalkulie oder beides?

In der vergangenen Woche haben wir wieder ein Kind, Max, 9 Jahre, 3. Klasse, auf eine Dyskalkulie oder Rechenschwäche getestet. Das Schuljahr habe kaum begonnen, sagt die Mutter und schon seien die ersten Probleme wieder da. Die Mutter erzählt, das Kind sei vor zwei Jahren schon einmal mit dem WISC IV (HAWIK IV) getestet worden. Das Ergebnis sei ein IQ von 127 gewesen. Auch sei damals eine Dyskalkulie festgestellt worden. Und nun, mit Beginn des neuen Schuljahres, habe die neue Lehrerin nochmals alles aus der zweiten Klasse wiederholt und sofort besorgt bei den Eltern angerufen. Max beherrsche ja noch nicht einmal die Grundlagen der zweiten Klasse. Da müsse dringend etwas geschehen. Da die Mutter immer schon sehr skeptisch bzgl. des Dyskalkulie-Ergebnisses war, möchte sie eine zweite Meinung hören. Im privaten Bereich kann Max merkwürdiger Weise rechnen. Deshalb kommt sie ins Institut.

Wir rechnen zunächst obligatorisch den WISC IV nach und kommen dort schon auf ein anderes Ergebnis. Der IQ des Jungen beträgt 132. Da, wie in den meisten Fällen beim WISC IV das angewandte Rechnen nicht mitgetestet wurde, da dies nur optional ist, gibt es hier auch keine weiteren Rückschlüsse. Auf Wunsch der Mutter testen wir nochmals die Intelligenz mit dem AID3 und erhalten einen Prozentrang von >99, was einem IQ in diesem Fall von 138 entspricht. Im Bereich „Angewandtes Rechnen“ erzielt Max einen T-Wert von 79, was einem IQ von 144 entspricht. Den Dyskalkulietest können wir uns sparen.
Max hat eine mathematische Hochbegabung. Die Aufgaben in der Schule sind zu leicht, Max schaltet ab. Max hat eigene Rechenwege, deshalb kommt er mit dem schulisch vorgegebenen nicht klar. Aber am Schlimmsten sind die Wiederholungen. Bei Kindern mit einer Hochbegabung ein NO-GO. Deshalb mein Rat: wenn Sie als Eltern (oder Lehrer) der Meinung sind Ihr Kind bzw. Schüler sei falsch ausdiagnostiziert worden, holen Sie sich eine Zweitmeinung ein. Achten Sie dabei aber immer darauf, dass diese Menschen auch qualifiziert sind, sich z.B. auch mit einer Hochbegabung und allen damit verbundenen Facetten auskennen. Eine falsche Diagnose kann fatale Folgen für das Kind haben.

Hochbegabte Schüler - erkennen, fördern, fordern

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